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2007:
Reisebericht
über die DIG-Israelreise 2007 
Pressemitteilung:
DIG-Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel: Keine EU-Gelder an
neue palästinensische Regierung 
Pressemitteilung
der Israelischen Botschaft zu Aussagen deutscher Bischöfe in
Israel 
Umfrage Israelis, Amerikaner
und Deutsche befragt
Juden sehen Deutsche positiver
HAMBURGER ABENDBLATT, 12.2.2007
Die Israelis sehen die Deutschen
positiver als früher. Die Mehrheit der Israelis und auch der
jüdischen Amerikaner habe heute eine positive Meinung von Deutschland,
heißt es in einer von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten
TNS-Emnid-Umfrage. Umgekehrt sei bei den Deutschen das Verantwortungsgefühl
für das jüdische Volk gewachsen. Als Vergleich diente
eine Erhebung von 1991.
Die Umfrage wurde zwischen dem 21. und 26. Januar in Deutschland,
Israel und den USA durchgeführt. Danach sympathisierten die
Deutschen mehr mit den Israelis als mit den Arabern im Nahost-Konflikt,
und beim Antisemitismus lasse sich ein leichter Rückgang in
der Zahl judenfeindlicher Antworten feststellen. Der Anteil der
Israelis, die eine positive Meinung über Deutschland hätten,
habe seit 1991 von 48 Prozent auf 57 Prozent zugenommen. Unter amerikanischen
Juden hätten sogar 56 Prozent eine positive Meinung über
Deutschland, 14 Prozent sogar eine sehr gute. Nur noch neun Prozent
der Israelis glaubten, man könne sich nicht mit den Deutschen
versöhnen. Vor 15 Jahren seien dies noch 22 Prozent gewesen.
Gleichzeitig sehen der Umfrage zufolge weitaus mehr Israelis Deutschland
heute als gefestigte Demokratie. Kurz nach der Wiedervereinigung
glaubten fast 80 Prozent, Deutschland sei durch extremistische Gruppen
gefährdet, heute glaubten dies weniger als die Hälfte
(45 Prozent). Mehr Deutsche als früher lehnten die Auffassung
ab, die Juden seien mitschuldig, wenn sie gehasst würden, oder
versuchten, aus ihrer Vergangenheit Vorteile zu ziehen, hieß
es weiter.
Auch sei in den vergangenen 15 Jahren die Zahl der Deutschen deutlich
gewachsen, die sich schämten, dass Deutsche so viel Verbrechen
an den Juden begangen haben. Darüber hinaus zeigten die Deutschen
heute mehr Verantwortungsgefühl für das jüdische
Volk als früher. Das werde von den Israelis honoriert. Ein
großer Teil halte die deutsche Politik gegenüber Israel
für freundlicher als die der anderen europäischen Staaten.
Allerdings sehen weiter 78 Prozent der Israelis und 54 Prozent der
amerikanischen Juden ihre Einstellung zu den Deutschen durch die
Judenverfolgung belastet. Das glaubt auch jeder zweite Deutsche.
Der
zweite Holocaust
Das iranische Regime wird Israel nuklear vernichten, und niemand
wird es daran hindern / Von Benny
Morris*/DIE WELT, 6.1.2007
Der zweite Holocaust wird nicht
so sein wie der erste.
Gewiss, die Nazis haben den Massenmord industrialisiert. Trotzdem
standen sie ihren Opfern Auge in Auge gegenüber, waren manchmal
auf Tuchfühlung mit ihnen. Die Deutschen zusammen mit ihren
Helfern aus anderen Nationen mussten die Männer, Frauen und
Kinder belagern, sie aus ihren Häusern zerren, die Straßen
hinunterprügeln, in nahe gelegenen Wäldern niedermähen,
sie in die Viehwaggons verladen und in die Lager transportieren,
wo "Arbeit macht frei" über dem Tor stand. Sie mussten
die körperlich Fitten von den Nutzlosen trennen und sie in
"Duschräume" locken und das Gas über ihnen ausschütten
und dann die Leichen entfernen oder dies wenigstens überwachen
und die "Duschen" für die Nachfolger vorbereiten.
Der zweite Holocaust wird vollkommen anders sein. Eines schönen
Morgens in fünf oder zehn Jahren - vielleicht während
einer Krise in der Region, vielleicht aus heiterem Himmel -, einen
Tag oder ein Jahr oder fünf Jahre, nachdem der Iran sich die
Bombe beschafft hat, werden die Mullahs sich in Qom zu einer Geheimsitzung
treffen, unter einem Porträt des stählern dreinblickenden
Ajatollah Khomeini, und sie werden Präsident Ahmadinedschad,
der dann in seiner zweiten oder dritten Amtszeit sein wird, ihr
Placet geben. Die nötigen Befehle werden erteilt werden, und
die Shihab-III oder IV-Raketen werden abheben in Richtung Tel Aviv,
Beer Scheba, Haifa und Jerusalem und womöglich einiger militärischer
Ziele, eingeschlossen das halbe Dutzend Militärflughäfen
und der bekannten nuklearen Abschussrampen. Einige der Shihabs werden
atomare Sprengköpfe tragen, vielleicht sogar Mehrfachsprengköpfe.
Andere werden zur Ablenkung dienen und nur mit chemischen oder biologischen
Kampfstoffen oder alten Zeitungen geladen sein, um die israelischen
Antiraketen-Raketen und Heimatschutzverbände in die Irre zu
führen.
Bei einem Land von der Größe und Gestalt Israels (8000
in die Länge gezogene Quadratmeilen) werden vermutlich vier
oder fünf Treffer genügen: Kein Israel mehr. Eine Million
Israelis in Tel Aviv, Haifa, Jerusalem und dem Umfeld dieser Städte,
vielleicht sogar mehr, wird auf der Stelle tot sein. Zusätzliche
Millionen werden ernsthaft radioaktiv verstrahlt werden. Israel
hat ungefähr sieben Millionen Einwohner. Kein Iraner wird auch
nur einen davon sehen oder berühren. Es wird völlig unpersönlich
sein.
Bei etlichen der Toten wird es sich unweigerlich um Araber handeln.
1,3 Millionen der israelischen Staatsbürger sind Araber, und
3,5 Millionen Araber leben im halb-besetzten Westjordanland und
im Gazastreifen. In Jerusalem, Tel-Aviv-Jaffo und Haifa leben beträchtliche
arabische Minderheiten. Und es gibt viele arabische Gemeinden rund
um Jerusalem (in Ramallah-El Bireh, Bir Zeit, Bethlehem) und außerhalb
von Haifa. Auch hier werden viele sterben, ob nun sofort oder nach
und nach.
Es ist zweifelhaft, ob eine solche Massentötung von Muslimen
Ahmadinedschad und die Mullahs beeindrucken wird. Die Iraner mögen
Araber nicht sehr, vor allem keine sunnitischen Araber, mit denen
sie jahrhundertelang immer wieder Krieg geführt haben. Ganz
besonders verachten sie die (sunnitischen) Palästinenser, denn
schließlich sind sie daran gescheitert, die Juden von der
Staatsgründung abzuhalten, und sie konnten auch nicht verhindern,
dass die Juden ganz Palästina eroberten. Im Übrigen betrachtet
die iranische Führung die Zerstörung Israels als göttlichen
Befehl und als Vorzeichen der Wiederkehr des verborgenen Imam, und
die muslimischen Kollateralschäden sind Märtyrer (schuhada)
für diesen edlen Zweck. Jedenfalls werden die Palästinenser,
von denen viele rund um den Erdball verstreut sind, als Volk überleben,
genau wie die größere arabische Nation, zu der sie gehören.
Und um die Juden loszuwerden, sollten die Araber gewillt sein, Opfer
zu bringen. In der kosmischen Endabrechnung wird es das wert sein.
Eine Frage mag in den iranischen Gremien allerdings auftauchen:
Was ist mit Jerusalem? Immerhin befinden sich in dieser Stadt die
drittheiligsten Stätten des Islam - die Al-Aksa-Moschee und
der Felsendom.
Aber Ali Khamenei, der höchste geistliche Führer, und
Ahmadinedschad würden wahrscheinlich genauso antworten wie
auf die größere Frage nach der Zerstörung und radioaktiven
Verseuchung von ganz Palästina: Die Stadt und das Land werden
sich mit Gottes Hilfe in zwanzig oder fünfzig Jahren erholen.
Und sie werden dem Islam (und den Arabern) zurückgegeben werden.
Und die tiefere Verseuchung wird ausgelöscht sein.
Ahmadinedschads ständige Verweise auf die Notwendigkeit, Israel
zu zerstören, und seine Leugnung des ersten Holocaust lassen
darauf schließen, dass dieser Mann besessen ist. Das hat er
mit den Mullahs gemeinsam. Sie alle sind mit den Lehren von Khomeini
aufgewachsen, einem äußerst produktiven Antisemiten,
der oft gegen den "kleinen Satan" Israel schäumte.
Ahmadinedschad ist gewillt, vieles aufs Spiel zu setzen - die Zukunft
des Iran oder sogar des gesamten muslimischen Nahen Osten als Einsatz
für die Zerstörung Israels. Zweifellos glaubt er, dass
Allah den Iran irgendwie vor einer atomaren Antwort der Israelis
oder einem amerikanischen Gegenschlag bewahren wird. Lässt
man Allah beiseite, glaubt er womöglich, dass seine Raketen
den jüdischen Staat dermaßen einäschern werden,
dass sie die israelische Führung und die landgestützten
Nuklearstützpunkte ausschalten und die Kommandanten der nuklear
bewaffneten U-Boote demoralisieren oder verwirren, so dass Israel
nicht mehr antworten kann. Und bei seiner tiefen Verachtung für
den schwachbrüstigen Westen ist unwahrscheinlich, dass er die
Drohung einer amerikanischen nuklearen Vergeltung ernst nimmt.
Oder er mag einen Gegenschlag in Rechnung
stellen und gewillt sein, den Preis zu zahlen. Sein Mentor Khomeini
fasste in einer Rede in Qom 1980 zusammen: "Wir beten nicht
den Iran an, wir beten Allah an ... ich sage, soll dieses Land (der
Iran) brennen. Ich sage, soll dieses Land in Rauch aufgehen, vorausgesetzt,
der Islam erweist sich als siegreich." Diese Anhänger
eines Todeskults würden sogar das Opfer der Heimat hinnehmen,
wenn das Ergebnis die Zerstörung Israels ist. So wie dem ersten
wird auch dem zweiten Holocaust ein Jahrzehnt vorangegangen sein,
in dem die Herzen und Hirne auf ihn vorbereitet wurden. Verschiedene
Botschaften haben verschiedene Publikumskreise erreicht, aber alle
haben nur einem Ziel gedient, der Dämonisierung Israels. Muslimen
auf der ganzen Welt wurde beigebracht, dass "Israel vernichtet
werden" muss. Die Leute im Westen wurden auf subtilere Art
belehrt: "Israel ist ein rassistischer Unterdrückerstaat"
und "Israel ist im Zeitalter des Multikulturalismus ein überflüssiger
Anachronismus". Generationen von Muslimen und zumindest eine
Generation von Leuten im Westen wurden nach solchen Glaubenssätzen
erzogen.
Im Vorfeld des zweiten Holocaust (der übrigens wahrscheinlich
ungefähr dieselbe Zahl von Menschenleben kosten wird wie der
erste) zersplitterte die internationale Gemeinschaft, denn sie wurde
von verschiedenartigem selbstsüchtigem Appetit motiviert. Russland
und China hungerten nach muslimischen Märkten, Frankreich hungerte
nach dem arabischen Öl - und die Vereinigten Staaten wurden
von dem Debakel im Irak in einen tiefen Isolationismus getrieben.
Der Iran war also frei, seiner nuklearen Bestimmung entgegenzugehen,
und Israel sah sich der Bedrohung ganz allein gegenüber. Aber
ein isoliertes Israel wird sich der Aufgabe so wenig gewachsen zeigen
wie ein Kaninchen, das vom Scheinwerferlicht eines entgegenkommenden
Autos geblendet wird. Im vergangen Sommer versagte Israel in einem
34-tägigen Miniaturkrieg gegen eine kleine, vom Iran gestützte
Guerillabewegung von libanesischen Fundamentalisten. Dieser Miniaturkrieg
hat die Führung Israels gründlich demoralisiert. Seit
damals haben die israelischen Minister und Generäle wie ihre
Kollegen im Westen verdrießlich zugesehen, wie die Patrone
der Hisbollah sich mit den Waffen des Weltuntergangs versorgt haben.
Auf perverse Weise mögen die israelischen Führer sogar
froh über den Druck gewesen sein, den der Westen auf sie ausübte,
als er sie zur Zurückhaltung aufforderte. Sehr wahrscheinlich
wollten sie den Versicherungen glauben, irgendwer - die Uno, der
G 7-Gipfel - würde irgendwie die radioaktiven Kastanien aus
dem Feuer holen. Manche fielen sogar auf die abwegige Vorstellung
herein, eine Revolution der säkularen Mittelklasse in Teheran
würde die irren Mullahs letztlich aufhalten.
Wichtiger ist: Das iranische Atomprogramm stellte für ein Land
mit Israels begrenzten konventionellen Mitteln eine unendlich komplexe
Herausforderung dar. Die Iraner hatten vom Erfolg der israelischen
Luftwaffe gelernt, der es 1981 gelang, den irakischen Reaktor Osirak
zu zerstören - sie vergruben ihre Atomeinrichtungen in doppelter
Ausführung tief unter der Erde. Auch nur die bekannten iranischen
Atomanlagen mithilfe konventioneller Waffen zu zerstören, würde
eine Luftwaffe von der Größe der amerikanischen erfordern,
die einen Monat lang rund um die Uhr bombardiert.
Binnen kurzem sah sich die unfähige Führung in Jerusalem
also mit einem Weltuntergangsszenario konfrontiert: Entweder sie
startet einen wenig Erfolg versprechenden konventionellen Angriff
- oder einen nuklearen Präventivschlag. Hätte sie dafür
den Mut? Würde ihre Entschlossenheit, Israel zu retten, sich
darauf erstrecken, präventiv Millionen Iraner zu töten?
Das Dilemma ist schon vor langer Zeit von einem weisen israelischen
General beschrieben worden: Israels Nuklearwaffen sind unbrauchbar.
Man kann sie nur "zu früh" oder "zu spät"
benutzen. Den "richtigen Zeitpunkt" wird es nie geben.
Also wird die israelische Führung ihre Zähne zusammenbeißen
und hoffen, dass die Dinge sich irgendwie gut entwickeln. Vielleicht
werden die Iraner sich ja "rational" benehmen, wenn sie
die Bombe haben?
Aber die Iraner werden von einer höheren Logik getrieben. Und
sie werden ihre Raketen zünden. Und wie im ersten Holocaust
wird die internationale Gemeinschaft nichts tun. Für Israel
wird alles in ein paar Minuten vorbei sein. Wenn die Shihabs gefallen
sind, wird die Welt Rettungsschiffe und medizinische Hilfe für
die nur leicht Verbrannten schicken. Sie wird den Iran nicht nuklear
auslöschen. Zu welchem Zweck denn und um welchen Preis? Eine
nukleare Antwort der Amerikaner würde den Krieg der Kulturen
noch schlimmer und umfassender machen. Und sie würde natürlich
Israel nicht zurückbringen.
Und doch: Der zweite Holocaust wird in dem Sinne anders sein, dass
Ahmadinedschad jene, die er sich so sehr tot wünscht, nicht
wirklich sehen oder anfassen kann. Es wird keine Szenen wie die
folgende geben, die sich in Bolechow in Polen im September 1942
zutrug (beschrieben wird sie in Daniel Mendelsohns jüngst erschienenem
Buch "Die Verlorenen"): "Eine schreckliche Episode
ereignete sich mit Frau Grynberg. Die Ukrainer und Deutschen, die
in ihr Haus eingebrochen waren, fanden sie vor, als sie gerade gebar.
Die Tränen und Bitten der Anwesenden halfen nicht, und sie
wurde im Nachthemd aus ihrem Haus auf den Platz vor dem Rathaus
gezerrt. Von dort wurde sie auf einen Schuttabladeplatz im Inneren
des Rathauses gezogen, und um sie herum stand eine Menge von Ukrainern,
die Witze machten und sie verhöhnten, während sie die
Schmerzen der Geburt verfolgten, und so gebar sie ein Kind. Das
Kind wurde sofort aus ihren Armen gerissen - zusammen mit seiner
Nabelschnur - und in die Luft geworfen. Es wurde von der Menge zertrampelt,
und man stellte sie auf die Füße, während das Blut
aus ihr herausströmte und blutige Teile aus ihr heraushingen,
und so stand sie ein paar Stunden lang an der Mauer des Rathauses.
Danach ging sie mit all den anderen zum Bahnhof, wo sie in einen
Waggon im Zug nach Belzec geladen wurde."
Im nächsten Holocaust wird es keine solch herzzerreißenden
Szenen geben, wo Täter und Opfer von Blut besudelt sind.
Aber es wird trotzdem ein Holocaust sein.
Aus dem Englischen von Hannes Stein.
* Benny Morris galt
als Kopf der antizionistischen Linken im Judenstaat: In seinem Buch
"The Birth of the Palestinian Refugee Problem, 1947-1949"
hatte er gezeigt, dass arabische Palästinenser im israelischen
Unabhängigkeitskrieg massenhaft vertrieben wurden. Seit dem
Ausbruch der zweiten Intifada hat er klargestellt, dass er niemals
das Lebensrecht Israels in Frage stellen wollte.
Interview mit Maurice
Deluty zum Herunterladen
und Anhören (MP3-Format - 2,4 MB)
September 2006:
Festveranstaltung im Mozartsaal des Logenhauses Hamburg zur Verabschiedung
von Waltraut Rubien und für die Erweiterung des Hamburg Hauses
in Sde Boker (siehe
auch DIG informativ 1/07)
Fotoimpressionen der Veranstaltung u.a. mit dem Botschafter Israels
in Deutschland, Shimon Stein und seinem Vorgänger, Asher Ben-Natan
zur Fotogalerie
2005:
Die
DIG Hamburg stellt ihre Arbeit der letzten 5 Jahre in eine Fotodokumentation
vor
April
2004: Fragebogenaktion an Hamburgs Schulen: Was wissen
die Schülerinnen und Schüler über Israel?
Die Fragen
Die Lösungen
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